Corona: Ein mentaler Virus?
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Corona: Ein mentaler Virus?

Skeptiker der offiziellen Darstellung der Corona-Krise fühlen sich bestätigt, da sich immer mehr Virologen und Ärzte zu Wort melden, die Corona als normale Grippe verorten. Zum prominentesten Vertreter dieser These, Dr. Wolfgang Wodarg, gesellten sich in den letzten Wochen weitere Stimmen: Frau Prof. Dr. Karin Mölling, ehemalige Professorin und Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie an der Universität Zürich, Prof. Dr. Sucharit Bhakdi, Facharzt für Mikrobiologie und ehemaliger Professor an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz, sowie der Immuntoxikologe der Uniklinik Hamburg, Prof. Dr. Stefan Hockertz. Während Wodarg seitens etablierter Medien als „ehemaliger Lungenfacharzt“ abqualifiziert wird, sind Mölling, Bhakdi und Hockertz ausgewiesene Kapazitäten zum Thema. Dennoch sprechen alle unbeirrt von einem tragischen, kollektiven Irrtum und bezeichnen die politischen Maßnahmen als „grotesk, überbordend und direkt gefährlich“ (Bhakdi). Hört man diesen Fachleuten aufmerksam zu, kommt man schwerlich umhin, Zweifel an den rigorosen Maßnahmen der Bunderegierung zu hegen. Doch wie ist es angesichts der dramatischen Bilder aus Italien, China und New York überhaupt möglich, dass renommierte Experten der offiziellen Corona-Darstellung widersprechen? Zumal die Kritik nicht nur fachlich versiert und souverän vorgetragen wird, sondern zudem auch noch überaus integer wirkt. „Corona-Krise: Prof. Sucharit Bhakdi erklärt, warum die Maßnahmen sinnlos und selbstzerstörerisch sind“ und „Corona-Krise: Offener Brief an die Bundeskanzlerin von Prof. Sucharit Bhakdi“, wurden viele Millionen Mal angeschaut. Auch Frau Prof. Dr. Karin Mölling ist derzeit eine gefragte Expertin. Aus ihrer Sicht sollte man zumindest niemanden allzu lange wegsperren, insbesondere die Jugend nicht, da sie die Immunität der Bevölkerung vorbereiten könne: „SARS-Corona 2: »Wir brauchen eine Herden-Immunität und keine Ausgangssperre“. Derweil gibt Prof. Dr. Stefan Hockertz diverse Radio-Interviews, in denen er selbstbewusst erklärt: „Diese Erkrankung ist genauso ungefährlich oder gefährlich wie eine Influenza; die Politik wird falsch beraten; mit dem Begriff ‚Seuche‘ jagen wir die Menschen in große Panik und verursachen schwere Kollateralschäden; das ist eine Art Hysterie“: „Professor Hockertz zu Corona: Nicht gefährlicher als Influenza-Viren“.

Wie die meisten Menschen war ich lange Zeit davon überzeugt, Corona müsse eine sehr gefährliche Krankheit sein. Schließlich habe auch ich über viele Wochen die dramatischen Bilder aus China und Italien verfolgt. Starben die Menschen hier nicht weit über das normale Maß hinaus? In Italien konnte man sichtlich überforderte Ärzte sehen, die dramatische Appelle über ihre Smartphones in die Welt schickten. Internationale Ärzteteams aus Russland, China und Kuba eilten daraufhin mit Hunderten Beatmungsgeräten zur Hilfe. Wochen zuvor hatte man die schrecklichen Bilder aus China gesehen. In Wuhan wurden Menschen unter größten Sicherheitsvorkehrungen quasi in Folie eingeschweißt und zwangsweise in ein gigantisches Notkrankenhaus verbracht, das in nur einer Woche aus dem Boden gestampft wurde. Insbesondere Chinas Umgang mit der Krise versetzte die Welt in eine Art Schockstarre und setzte internationale Maßstäbe für das weitere Vorgehen. Dass China die Krankheit inzwischen sang- und klanglos für besiegt erklärte, sein Notkrankenhaus wieder einpackte und kaum noch Neuinfektionen verzeichnet, verwundert nicht nur Virologen. Denn eigentlich verschwinden Pandemien nicht von einem Tag auf den anderen. Erst recht nicht, sobald die Isolationsmaßnahmen wieder gelockert oder aufgehoben werden. Ungeachtet dessen wirkt der drakonische Erstumgang mit Corona im Rest der Welt nach. Mit den dramatischen Bildern aus China im Kopf und befeuert von den Alarmmeldungen der WHO – Szenarien von Millionen Toten werden beschworen – reagieren nahezu alle Politiker mit maximalen Notstandsgesetzen. Insbesondere der kaskadenartige Shutdown der gesamten Welt wirkt als schlagender Beweis, COVID-19 müsse ein extrem gefährliches Virus sein. Denn gewiss fahren Indien, Afrika, Asien, Australien, Europa, Süd- und Nordamerika nicht zum Spaß ihre Wirtschaften an die Wand. Dass dabei keine Regierung über genügend Know-how verfügen soll, um das suizidale Vorgehen kritisch zu hinterfragen, kam auch mir sehr unwahrscheinlich vor. Die „Lemming-Theorie“ war daher lange Zeit wenig glaubhaft für mich. Anders gefragt: Kann es angesichts dieser Realitäten für einen vernunftbegabten Menschen überhaupt seriöse Zweifel an der Gefährlichkeit von Corona geben? Erstaunlicherweise behauten viele unabhängige Experten – ja, durchaus.

Corona als psychische Angst-Infektion?

Nach meinem vorangegangenen Artikel „Corona: Horror oder Hoax?“ auf Tichys Einblick habe ich mich daher als Gedankenexperiment zu einer Gegenthese entschlossen. Noch vor wenigen Wochen betonte auch ich die Gefährlichkeit von Corona – nach meinem heutigen Wissensstand bin ich diesbezüglich verunsichert. Inzwischen beeindrucken mich neue Fakten; die dramatischen Appelle der Kritiker, die Menschheit verfalle einem tragischen, kollektiven Irrtum, tun ihr Übriges. Im Folgenden suche ich nach Erklärungen, die dem sichtbaren Phänomen Corona gerecht werden – ohne dass es sich bei SARS-CoV-2 zwingend um ein besonders gefährliches Virus handeln muss. Welche menschlichen, psychologischen und technischen Faktoren müssten zusammenkommen, um das Geschehen trotzdem plausibel zu erklären? Bevor ich auf die technischen Aspekte zur Krankheit eingehe, möchte ich mit einem Auszug einer E-Mail beginnen, die mich dieser Tage von einem befreundeten Ehepaar erreichte. Sich der Macht kollektiver Gedanken-Meme bewusst, beide sind namhafte Psychoanalytiker, stellen sie folgende Frage in den Raum:

„Was aber, wenn sich herausstellen sollte, dass es sich um eine weltweite, psychische Angst-Infektion gehandelt hat (wenn sich das, bei den schwerwiegenden Folgen, je herausstellen darf)? Die ist ja in ihren Wirkungen, wie wir alle wissen, nicht weniger real: Mediales Interesse erzeugt einen extremen Aufmerksamkeitsfokus, verunsicherte Politiker fühlen sich weltweit unter sofortigen Handlungsdruck gesetzt, Experten finden ihr Fachgebiet plötzlich extrem aufgewertet, sind narzisstisch getriggert, wollen vielleicht auch ein wenig profitieren, es kommt, wie an der Börse oder bei der Klimaphobie, zu sich selbst verstärkenden Panikreaktionen (vgl. Murray, ‚Der Wahnsinn der Massen‘). Vielleicht so eine Art real gewordene Mythologie der Lemminge, eine kollektive Selbstzerstörung (… wäre ja nicht die erste in der Gattungsgeschichte, vgl. Hitlers ‚tausendjähriges Reich‘, Maos ‚großer Sprung‘, Stalins ‚Kollektivierung der Landwirtschaft‘, Kambodscha, Ruanda, Jonestown usw.).

Könnte es sein, dass wir (heute) unsere Sterblichkeit nicht (mehr) ertragen, dass unsere Todesverdrängung und Endlichkeitsangst (inzwischen) so weit gehen, dass wir normale, tragische Phänomene, auf die wir den medialen Angst- und Mitleidsfokus legen, nicht (länger) zulassen wollen? Dass an dieser neuen, uralten Irrationalität unsere Verantwortungsethik scheitert? Dass die Opferpraktiken, mit denen wir den Tod abwehren wollen, immer mehr Opfer und das heißt Tote produzieren? Man denke an die Spätphase der Azteken, die ihre Angst vor dem Weltuntergang (z. B. die Sonne könnte nicht mehr aufgehen) durch blutige, sakrale Praktiken zu bannen versuchten. Hätten die Priester und das Volk je lernen und zugeben können, dass diese scheinbar so rationalen Rituale im Lichte der Aufklärung betrachtet sinnlos waren?“

Könnte diese These, „Corona als kollektives, mentales Angst-Mem“, sämtliche Phänomene erklären, selbst die schrecklichen Zustände in Italien und New York? Zunächst wäre festzuhalten, dass selbst Kritiker wie Wodarg, Mölling, Bhakdi und Hockertz keineswegs abstreiten, dass Corona eine reale virale Erkrankung ist, die mit einer erhöhten Mortalität bei alten Menschen einhergeht. Leider ist es derzeit jedoch so, dass sich sämtliche Experten, auch die offiziellen Berater der Bundesregierung, sehr darüber streiten, wie hoch diese Übersterblichkeit tatsächlich ist. Dies liegt schlichtweg daran, dass die Zahlen in keine objektive Relation getesteter vs. toter Patienten gestellt werden können. Man hat ja weder eine homogene, geschlossen getestete Gruppe noch den objektiven Nachweis darüber, ob die gestorbenen Patienten mit oder am Virus gestorben sind. Unglücklicherweise werden deshalb Zahlen von höchst unterschiedlicher Tragweite gehandelt, die von einer Sterblichkeit von 0,1 bis 5 Prozent reichen. Unstrittig scheint nur eins zu sein: Betroffen sind fast ausnahmslos sehr alte Menschen oder solche mit mehrfachen schweren Vorerkrankungen. So beträgt das durchschnittliche Sterbealter von Corona-Patienten in Italien 81 Jahre (Wikipedia: „COVID-19-Pandemie in Italien“). Bezüglich der Relativität der Corona-Fallstatistik verweist Prof. Bhakdi exemplarisch auf einen „Corona-Toten“ aus Schleswig-Holstein, der aufgrund einer schweren Krebserkrankung ohnehin in einem Sterbehospiz lag. Nach seinem Tod wurde der Patient noch positiv auf Corona getestet, nun geht er selbstverständlich in die Corona-Todesstatistik ein. Dies passiere derzeit hundertfach, insbesondere bei alten, kranken Menschen. Denn so schrecklich die Zahlen auch scheinen, sie müssen in Relation zu den ohnehin täglich sterbenden Menschen gesehen werden. Zudem mahnen die Kritiker an, dass auffällige Übersterblichkeiten fast nie monokausale Ursachen haben, also allein ein Virus. Beispielswese seien die Bedingungen in Wuhan aufgrund der extremen Enge des Zusammenlebens und der hohen Luftverschmutzung kaum mit deutschen Verhältnissen vergleichbar. Ebenso seien die Verhältnisse in der Lombardei speziell. Sowohl die schlechte Ausstattung des Gesundheitssystems als auch die Überalterung der Gesellschaft sowie die hohe Luftverschmutzung seien einzigartig in Europa. In Wuhan, Bergamo und New York seien die Lungen vieler alter Menschen chronisch vorgeschädigt gewesen. So berichtet der Deutsche Arzt Nils Henning aus New York, dass in Deutschland für 1000 Bürger 8 Krankenhausbetten bereitstehen, in New York sind es gerade mal 2,8 Betten (New Yorks Kampf gegen Corona, ZDF-Spezial vom 04.04.2020). Trifft auf derartig schlechte Bedingungen eine grippeähnliche Viruserkrankung mit hoher Ansteckungsrate, lägen die bislang festgestellten Todesraten durchaus noch im Rahmen. Auch die dramatischen Bilder aus den italienischen Krankenhäusern seien leicht erklärbar, so die Skeptiker. Zunächst müsse man festhalten, dass das Gesundheitssystem in Norditalien schon vor Corona „in einem erbarmungswürdigen Zustand war“ (Prof. Hockertz). Komme jetzt die allgemeine Panik einer angeblich schweren Seuche hinzu, spiele sich das Geschehen wie folgt ab: Vor Corona bekam die 85-jährige Großmutter, natürlicherweise dehydriert und schwach, im Winter ihren typischen, saisonalen Atemwegsinfekt. Der Hausarzt wurde gerufen, die alte Dame kam an den Tropf und bekam Antibiotika. Entweder sie konnte genesen oder sie starb, und zwar zu Hause oder im Altenheim. Auf diese Weise sterben alte Menschen – jeden Winter. Niemand wäre vor Corona auf die Idee gekommen, die Grippetoten der alten Bevölkerungsteile seien unnatürlich. Heute wird jedoch jeder alte Mensch, der auch nur hustet, in ein Krankenhaus eingeliefert. Dort kumulieren Patienten, die normalerweise zu Hause behandelt worden wären. Erschwerend komme hinzu: Aufgrund der allgemeinen Panik kämen reihenweise verunsicherte Patienten in die Krankenhäuser, um sich behandeln und testen zu lassen. Viele davon litten sogar unter einer echten Immunsuppression, denn große Angst wirkt sich sehr negativ auf den allgemeinen Gesundheitszustand aus. Bezüglich der alten Patienten sei zu bedenken, dass sich die Sterberate in den Krankenhäusern um ein Vielfaches erhöhe. Die iatrogen verursachten Todesfälle durch Behandlungsfehler, in der Fehlannahme, es ginge um ein „Killervirus“, bereiten den Experten Sorge. Es mehren sich die Anzeichen eines „zu viel des Guten“, speziell bei alten, vorgeschädigten Patienten, sowohl bei der Medikation als auch in der Beatmungstechnik. Der Verband Pneumologischer Kliniken mahnt:

„[…] Es gibt keine Hinweise darauf, dass eine Viruspneumonie durch CoV-2 unter invasiver Beatmung einen besseren Verlauf nimmt. Vielmehr ist damit zu rechnen, dass in der aktuellen Phase und insbesondere unter Berücksichtigung etablierter Regeln der Notfall- und Intensivmedizin zu viele Patienten zu früh intubiert werden. […] Bei hypoxämischer Insuffizienz wird in der Regel auf der IS zu früh beatmet und zu viel Sauerstoff gegeben. Das beschleunigt die Entwicklung eines ARDS (Lungenversagen), denn hohe Beatmungsdrücke schädigen die Alveolen und induzieren eine Entzündung, die dann bei der Infektabwehr fehlt. […] Nach bisherigen Erfahrungen braucht ein großer Teil der Patienten mit SARS-CoV-2-Pneumonien auch nur vorübergehend eine Atemunterstützung.“ (Achgut.com, „Sterben Coronapatienten auch an falscher Beatmungstechnik?“)

Zu beachten wäre außerdem das hohe Risiko einer Krankenhauskeim-Infektion, das durch die vielen Intubationen um ein Vielfaches steige. Viele Fachärzte kritisieren auch die Medikation. Unter dem Eindruck, man müsse ein Killervirus besiegen, würden alle potenten Mittel auf einmal verordnet, die die Schulmedizin jemals hervorgebracht hat. Aids-Medikamente, Virostatika, Antibiotika und Kortison würden in überhöhten Dosierungen kombiniert, spätestens dies würde zum Zusammenbruch der körpereigenen Abwehr führen. (Siehe: Dr. med. Gunter Frank, Dr. med. Jobst Landgrebe und Dr. med. Jesko Matthes in „Indubio – Wie schlimm ist es?“.)

Grundsätzlich ließen sich die vergleichsweise immer noch moderaten Fallzahlen aus China, Spanien, Italien und den USA nicht pauschal auf alle Gebiete der Welt übertragen. Zum Vergleich: Die Grippesaison 2017/18 forderte allein in Deutschland über 25.000 Menschenleben. Derzeit liege man immer noch meilenweit unter der Grippeepidemie von 2018. Die spannende Frage lautet: Wird Corona, wie behauptet, die Todeszahlen der Grippewelle von 2018 um ein Vielfaches, möglicherweise um mehrere Hunderttausend Tote, übersteigen? Und wird Corona damit zum unweigerlichen Zusammenbruch des Gesundheitssystems führen, insbesondere, wenn die Betroffenenzahlen zu schnell ansteigen? Vor über zwei Wochen hieß es, Deutschland hänge neun Tage hinter der Entwicklung in Italien her, spätestens nach dieser Frist würden sich auch hier dramatische Szenen in den Krankenhäusern abspielen. Obgleich dieser Termin schon lange verstrichen ist, kann von einem Kollaps des deutschen Gesundheitssystems glücklicherweise keine Rede sein. Angesichts dieser Fragen ist es wenig verwunderlich, dass alle Menschen gebannt auf die täglichen Fallzahlen starren. Steigen sie? Stagnieren sie? Wirken die rigorosen Maßnahmen der Bundesregierung?

RKI ändert die Zählweise

Vor diesem Hintergrund ist es irritierend, dass am 25. März das Robert-Koch-Institut von einem Tag auf den anderen die Zählweise der Corona-Fallzahlen geändert hat. Dies ist in etwa so, als würde man in einem laufenden Spiel plötzlich die Spielregeln ändern, auf deren Grundlage alle bisherigen Entscheidungen der Bundesregierung beruhten. Zuvor galt als Corona-Fall, wer einen positiven PCR-Test hatte, egal ob der Betroffene Krankheitssymptome zeigte oder nicht. Ab sofort kann jeder als „Corona-Fall“ gelten, der eine entsprechende klinische Symptomatik zeigt – auch ohne Test. Das RKI gibt derzeit entsprechende Melderichtlinien für Ärzte heraus. Als bestätigter COVID-19-Fall gilt zukünftig, wer „ein spezifisches klinisches Bild von COVID-19 ohne labordiagnostischen Nachweis zeigt“. Ein „spezifisches klinisches Bild“ von COVID-19 existiert jedoch nicht. Beziehungsweise, es ist identisch mit jeder Art grippalem Infekt. Allein das Auftreten von zwei oder mehr Lungenentzündungen in einem Pflege- oder Altenheim gilt dem RKI neuerdings als Beleg, es handele sich um Corona – PCR-Tests müssen nicht mehr gemacht werden (RKI: „Neue Falldefinition seit dem 24. März“). Sofern nun jeder alte Mensch mit beliebigem Atemwegsinfekt per Definition zum Corona-Fall erklärt werden kann, müssen die Fallzahlen natürlich steigen. Schließlich sind Lungenentzündungen in Pflege- oder Altenheimen, egal welcher Genese, an der Tagesordnung. Weiterhin verstehen viele Ärzte nicht, warum die täglich gemeldeten Fallzahlen nicht endlich in Relation zur absoluten Zahl der Tests gesetzt werden, denn:

„Wenn in einer Woche (oder in einem Land) 10.000 Tests durchgeführt und dabei 1.000 Infektionen festgestellt werden, in der nächsten Woche (oder in einem anderen Land) aber 20.000 Tests und 2.000 Infektionen, dann ist daraus keine höhere Ausbreitung des Virus abzuleiten, sondern nur eine größere Zahl der Messungen. […] Was man bislang nicht wusste: Die Anzahl der durchgeführten Tests in Deutschland betrug in KW 11 knapp 130.000, in KW 12 aber fast 350.000. Nicht nur die Zahl der positiv getesteten Fälle hat sich also ungefähr verdreifacht, sondern auch die Menge der Tests. Die tatsächliche Steigerung der Fälle, bezogen auf die Anzahl der Tests, beträgt lediglich einen (!) Prozentpunkt: In Kalenderwoche 11 wurden knapp 6 % der Untersuchten positiv getestet, in KW 12 hingegen 7 %.“ (multipolar, „Coronavirus: Irreführung bei den Fallzahlen nun belegt“)

Doch nicht nur Virologen, sondern auch Mathematiker und Statistiker bemängeln den unwissenschaftlichen Umgang mit den Rohdaten:

„Die Kernfrage ist: Welches Problem beschreibt die Kurve? Es gibt viele Viren und Bakterien, bei denen die Durchseuchungsrate der Bevölkerung hundert Prozent beträgt. Die Infektionsrate ist also gar nicht die zentrale Frage. Zu fragen ist, ob es eigentlich schlimm ist, wenn viele Menschen mit Corona infiziert sind. Eine hohe Anzahl von Infizierten ist genau dann schlimm, wenn damit eine hohe Anzahl an Arztbesuchen oder an durch Corona Gestorbenen einhergeht. Wenn viele Tote auch noch das Coronavirus in sich tragen, so ist dies noch kein Problem. Wenn immer mehr Menschen Corona-infiziert sind, so ist dies auch noch kein Problem – solange sie nicht zum Arzt gehen müssen und somit medizinische Infrastruktur in Anspruch nehmen. Noch wird öffentlich nicht die alles entscheidende Frage gestellt, wie hoch die Rate der Infizierten ist, die ernsthafte ärztliche Hilfe benötigen. Und wie hoch ist die Mortalitätsrate, also die Rate der Corona-Infizierten, die durch Corona sterben?“ (FAZ, „Auch eine Krise der mathematischen Bildung“, Wolfgang Meyerhöfer)

Warum das RKI bezüglich der Fallzahlen derart unwissenschaftlich vorgeht, erschließt sich vielen Allgemeinmedizinern nicht mehr. Zudem stellt sich die Frage, warum die wichtige Neudefinition der Zählweise nicht öffentlich bekannt gemacht wird. Immerhin basieren allein auf den Fallzahlen alle zukünftigen, möglicherweise sehr drastischen Entscheidungen der Bunderegierung. Inzwischen fordern immer mehr Experten deshalb eine Baseline-Studie, um endlich ein Lagebild zu erhalten, welche Sterbequote bei Corona tatsächlich vorliegt. Bei dieser Studie würde eine feste, repräsentative Gruppe immer wieder getestet, um die Mortalität des Virus wissenschaftlich zu verifizieren. Nur so könnten sich die radikalen und wirtschaftlich verheerenden Entscheidungen der Bunderegierung auf verlässliche Daten stützen. Prof. Bhakdi appelliert geradezu flehentlich, derartige Studien zu machen, denn in weniger als zwei Wochen hätte man die dringend benötigten Daten. Andere Länder wiederum haben ähnlich geschlossene Studien bereits gemacht; beispielweise ergab die Studie der geschlossenen Gruppe auf dem Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ die Sterblichkeit einer normalen Grippe:

„Die Londoner Forscher nahmen diese gesammelten Daten und errechneten unter Berücksichtigung der vorhandenen Fallzahlen aus China, wie es aussähe, wenn auch hier alle Fälle gemeldet worden wären. Ergebnis: Die Todesrate liegt demnach, an Alter und die fehlenden Fälle angepasst, bei insgesamt etwa 0,5 Prozent. Das läge erheblich unter der von der Weltgesundheitsorganisation WHO veröffentlichten Sterblichkeitsrate von 3,4 Prozent.“
(Bild: „Studie zeigt, wie ansteckend Corona wirklich ist“)

Die weltweit angesehenste medizinische Fachzeitschrift „The New England Journal of Medicine“ kommt sogar zu einer noch niedrigeren Mortalität:

„Dies deutet darauf hin, dass die klinischen Gesamtfolgen von Covid-19 letztendlich eher denen einer schweren saisonalen Grippe (mit einer Todesrate von etwa 0,1%) oder einer pandemischen Grippe (ähnlich wie in den Jahren 1957 und 1968) ähneln als einer Krankheit wie SARS oder MERS, bei der die Sterblichkeitsrate bei 9 bis 10% bzw. 36% lag.“ (Artikel: „Covid-19 — Navigating the Uncharted“)

Solange keine Obduktionen und keine Baseline-Studien durchgeführt werden, Verfahren, die auch der Direktor des Instituts für Virologie der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn Prof. Hendrik Streeck fordert, werden sich die Vorwürfe gegen das Robert-Koch-Institut und die WHO nur schwer entkräften lassen. Schließlich drängen sich Parallelen zur Manipulation um die Schweinegrippe auf, die der Sender ARTE in der sehenswerten Dokumentation „Profiteure der Angst “ 2009 aufgedeckt hat (noch ist der Film in diversen Kopien auf YouTube zu finden). Dabei haben viele Menschen noch gar nicht mitbekommen, dass die einstmals ehrwürdige Institution der WHO heute zum größten Teil aus der Privatwirtschaft und nicht mehr von den Mitgliedsländern finanziert wird. Es sind Lobbyisten der Pharmafirmen (auch Impfstoffhersteller) und Menschen wie Bill Gates, die in der WHO das Sagen haben. Seriöse Dokumentationen und Artikel zum Thema gibt es zuhauf. Vielen Kritikern erschließt sich daher nicht, warum die Bunderegierung allein auf wenige dem RKI und der WHO verbundene Virologen hört. Insbesondere wenn diese, wie Christian Drosten, als Entwickler des Corona-PCR-Tests nicht gerade als unparteiisch gelten können.

An dieser Stelle möchte ich meine Rolle als Advocatus Diaboli beenden und die Argumentation der Skeptiker stehen lassen. Obgleich ich mich seit Wochen intensiv mit der Materie beschäftige und zudem eine medizinische und psychologische Vorbildung habe, muss ich meine Ratlosigkeit zugeben. Ich weiß nicht, ob ich die Maßnahmen der Bundesregierung für überzogen halten soll oder nicht. Eines scheint mir jedoch klar: Sofern es nicht sehr bald Lockerungen gibt, könnten die wirtschaftlichen und psychologischen Kollateralschäden weitaus größer sein als die der Krankheit selbst. Mehr dazu in "Corona: Die Angst geht um".

Skeptiker der offiziellen Darstellung der Corona-Krise fühlen sich bestätigt, da sich immer mehr Virologen und Ärzte zu Wort melden, die Corona als normale Grippe verorten. Zum prominentesten Vertreter dieser These, Dr. Wolfgang Wodarg, gesellten sich in den letzten Wochen weitere Stimmen: Frau Prof. Dr. Karin Mölling, ehemalige Professorin und Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie an der Universität Zürich, Prof. Dr. Sucharit Bhakdi, Facharzt für Mikrobiologie und ehemaliger Professor an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz, sowie der Immuntoxikologe der Uniklinik Hamburg, Prof. Dr. Stefan Hockertz. Während Wodarg seitens etablierter Medien als „ehemaliger Lungenfacharzt“ abqualifiziert wird, sind Mölling, Bhakdi und Hockertz ausgewiesene Kapazitäten zum Thema. Dennoch sprechen alle unbeirrt von einem tragischen, kollektiven Irrtum und bezeichnen die politischen Maßnahmen als „grotesk, überbordend und direkt gefährlich“ (Bhakdi). Hört man diesen Fachleuten aufmerksam zu, kommt man schwerlich umhin, Zweifel an den rigorosen Maßnahmen der Bunderegierung zu hegen. Doch wie ist es angesichts der dramatischen Bilder aus Italien, China und New York überhaupt möglich, dass renommierte Experten der offiziellen Corona-Darstellung widersprechen? Zumal die Kritik nicht nur fachlich versiert und souverän vorgetragen wird, sondern zudem auch noch überaus integer wirkt. „Corona-Krise: Prof. Sucharit Bhakdi erklärt, warum die Maßnahmen sinnlos und selbstzerstörerisch sind“ und „Corona-Krise: Offener Brief an die Bundeskanzlerin von Prof. Sucharit Bhakdi“, wurden viele Millionen Mal angeschaut. Auch Frau Prof. Dr. Karin Mölling ist derzeit eine gefragte Expertin. Aus ihrer Sicht sollte man zumindest niemanden allzu lange wegsperren, insbesondere die Jugend nicht, da sie die Immunität der Bevölkerung vorbereiten könne: „SARS-Corona 2: »Wir brauchen eine Herden-Immunität und keine Ausgangssperre“. Derweil gibt Prof. Dr. Stefan Hockertz diverse Radio-Interviews, in denen er selbstbewusst erklärt: „Diese Erkrankung ist genauso ungefährlich oder gefährlich wie eine Influenza; die Politik wird falsch beraten; mit dem Begriff ‚Seuche‘ jagen wir die Menschen in große Panik und verursachen schwere Kollateralschäden; das ist eine Art Hysterie“: „Professor Hockertz zu Corona: Nicht gefährlicher als Influenza-Viren“.

Wie die meisten Menschen war ich lange Zeit davon überzeugt, Corona müsse eine sehr gefährliche Krankheit sein. Schließlich habe auch ich über viele Wochen die dramatischen Bilder aus China und Italien verfolgt. Starben die Menschen hier nicht weit über das normale Maß hinaus? In Italien konnte man sichtlich überforderte Ärzte sehen, die dramatische Appelle über ihre Smartphones in die Welt schickten. Internationale Ärzteteams aus Russland, China und Kuba eilten daraufhin mit Hunderten Beatmungsgeräten zur Hilfe. Wochen zuvor hatte man die schrecklichen Bilder aus China gesehen. In Wuhan wurden Menschen unter größten Sicherheitsvorkehrungen quasi in Folie eingeschweißt und zwangsweise in ein gigantisches Notkrankenhaus verbracht, das in nur einer Woche aus dem Boden gestampft wurde. Insbesondere Chinas Umgang mit der Krise versetzte die Welt in eine Art Schockstarre und setzte internationale Maßstäbe für das weitere Vorgehen. Dass China die Krankheit inzwischen sang- und klanglos für besiegt erklärte, sein Notkrankenhaus wieder einpackte und kaum noch Neuinfektionen verzeichnet, verwundert nicht nur Virologen. Denn eigentlich verschwinden Pandemien nicht von einem Tag auf den anderen. Erst recht nicht, sobald die Isolationsmaßnahmen wieder gelockert oder aufgehoben werden. Ungeachtet dessen wirkt der drakonische Erstumgang mit Corona im Rest der Welt nach. Mit den dramatischen Bildern aus China im Kopf und befeuert von den Alarmmeldungen der WHO – Szenarien von Millionen Toten werden beschworen – reagieren nahezu alle Politiker mit maximalen Notstandsgesetzen. Insbesondere der kaskadenartige Shutdown der gesamten Welt wirkt als schlagender Beweis, COVID-19 müsse ein extrem gefährliches Virus sein. Denn gewiss fahren Indien, Afrika, Asien, Australien, Europa, Süd- und Nordamerika nicht zum Spaß ihre Wirtschaften an die Wand. Dass dabei keine Regierung über genügend Know-how verfügen soll, um das suizidale Vorgehen kritisch zu hinterfragen, kam auch mir sehr unwahrscheinlich vor. Die „Lemming-Theorie“ war daher lange Zeit wenig glaubhaft für mich. Anders gefragt: Kann es angesichts dieser Realitäten für einen vernunftbegabten Menschen überhaupt seriöse Zweifel an der Gefährlichkeit von Corona geben? Erstaunlicherweise behauten viele unabhängige Experten – ja, durchaus.

Corona als psychische Angst-Infektion?

Nach meinem vorangegangenen Artikel „Corona: Horror oder Hoax?“ auf Tichys Einblick habe ich mich daher als Gedankenexperiment zu einer Gegenthese entschlossen. Noch vor wenigen Wochen betonte auch ich die Gefährlichkeit von Corona – nach meinem heutigen Wissensstand bin ich diesbezüglich verunsichert. Inzwischen beeindrucken mich neue Fakten; die dramatischen Appelle der Kritiker, die Menschheit verfalle einem tragischen, kollektiven Irrtum, tun ihr Übriges. Im Folgenden suche ich nach Erklärungen, die dem sichtbaren Phänomen Corona gerecht werden – ohne dass es sich bei SARS-CoV-2 zwingend um ein besonders gefährliches Virus handeln muss. Welche menschlichen, psychologischen und technischen Faktoren müssten zusammenkommen, um das Geschehen trotzdem plausibel zu erklären? Bevor ich auf die technischen Aspekte zur Krankheit eingehe, möchte ich mit einem Auszug einer E-Mail beginnen, die mich dieser Tage von einem befreundeten Ehepaar erreichte. Sich der Macht kollektiver Gedanken-Meme bewusst, beide sind namhafte Psychoanalytiker, stellen sie folgende Frage in den Raum:

„Was aber, wenn sich herausstellen sollte, dass es sich um eine weltweite, psychische Angst-Infektion gehandelt hat (wenn sich das, bei den schwerwiegenden Folgen, je herausstellen darf)? Die ist ja in ihren Wirkungen, wie wir alle wissen, nicht weniger real: Mediales Interesse erzeugt einen extremen Aufmerksamkeitsfokus, verunsicherte Politiker fühlen sich weltweit unter sofortigen Handlungsdruck gesetzt, Experten finden ihr Fachgebiet plötzlich extrem aufgewertet, sind narzisstisch getriggert, wollen vielleicht auch ein wenig profitieren, es kommt, wie an der Börse oder bei der Klimaphobie, zu sich selbst verstärkenden Panikreaktionen (vgl. Murray, ‚Der Wahnsinn der Massen‘). Vielleicht so eine Art real gewordene Mythologie der Lemminge, eine kollektive Selbstzerstörung (… wäre ja nicht die erste in der Gattungsgeschichte, vgl. Hitlers ‚tausendjähriges Reich‘, Maos ‚großer Sprung‘, Stalins ‚Kollektivierung der Landwirtschaft‘, Kambodscha, Ruanda, Jonestown usw.).

Könnte es sein, dass wir (heute) unsere Sterblichkeit nicht (mehr) ertragen, dass unsere Todesverdrängung und Endlichkeitsangst (inzwischen) so weit gehen, dass wir normale, tragische Phänomene, auf die wir den medialen Angst- und Mitleidsfokus legen, nicht (länger) zulassen wollen? Dass an dieser neuen, uralten Irrationalität unsere Verantwortungsethik scheitert? Dass die Opferpraktiken, mit denen wir den Tod abwehren wollen, immer mehr Opfer und das heißt Tote produzieren? Man denke an die Spätphase der Azteken, die ihre Angst vor dem Weltuntergang (z. B. die Sonne könnte nicht mehr aufgehen) durch blutige, sakrale Praktiken zu bannen versuchten. Hätten die Priester und das Volk je lernen und zugeben können, dass diese scheinbar so rationalen Rituale im Lichte der Aufklärung betrachtet sinnlos waren?“

Könnte diese These, „Corona als kollektives, mentales Angst-Mem“, sämtliche Phänomene erklären, selbst die schrecklichen Zustände in Italien und New York? Zunächst wäre festzuhalten, dass selbst Kritiker wie Wodarg, Mölling, Bhakdi und Hockertz keineswegs abstreiten, dass Corona eine reale virale Erkrankung ist, die mit einer erhöhten Mortalität bei alten Menschen einhergeht. Leider ist es derzeit jedoch so, dass sich sämtliche Experten, auch die offiziellen Berater der Bundesregierung, sehr darüber streiten, wie hoch diese Übersterblichkeit tatsächlich ist. Dies liegt schlichtweg daran, dass die Zahlen in keine objektive Relation getesteter vs. toter Patienten gestellt werden können. Man hat ja weder eine homogene, geschlossen getestete Gruppe noch den objektiven Nachweis darüber, ob die gestorbenen Patienten mit oder am Virus gestorben sind. Unglücklicherweise werden deshalb Zahlen von höchst unterschiedlicher Tragweite gehandelt, die von einer Sterblichkeit von 0,1 bis 5 Prozent reichen. Unstrittig scheint nur eins zu sein: Betroffen sind fast ausnahmslos sehr alte Menschen oder solche mit mehrfachen schweren Vorerkrankungen. So beträgt das durchschnittliche Sterbealter von Corona-Patienten in Italien 81 Jahre (Wikipedia: „COVID-19-Pandemie in Italien“). Bezüglich der Relativität der Corona-Fallstatistik verweist Prof. Bhakdi exemplarisch auf einen „Corona-Toten“ aus Schleswig-Holstein, der aufgrund einer schweren Krebserkrankung ohnehin in einem Sterbehospiz lag. Nach seinem Tod wurde der Patient noch positiv auf Corona getestet, nun geht er selbstverständlich in die Corona-Todesstatistik ein. Dies passiere derzeit hundertfach, insbesondere bei alten, kranken Menschen. Denn so schrecklich die Zahlen auch scheinen, sie müssen in Relation zu den ohnehin täglich sterbenden Menschen gesehen werden. Zudem mahnen die Kritiker an, dass auffällige Übersterblichkeiten fast nie monokausale Ursachen haben, also allein ein Virus. Beispielswese seien die Bedingungen in Wuhan aufgrund der extremen Enge des Zusammenlebens und der hohen Luftverschmutzung kaum mit deutschen Verhältnissen vergleichbar. Ebenso seien die Verhältnisse in der Lombardei speziell. Sowohl die schlechte Ausstattung des Gesundheitssystems als auch die Überalterung der Gesellschaft sowie die hohe Luftverschmutzung seien einzigartig in Europa. In Wuhan, Bergamo und New York seien die Lungen vieler alter Menschen chronisch vorgeschädigt gewesen. So berichtet der Deutsche Arzt Nils Henning aus New York, dass in Deutschland für 1000 Bürger 8 Krankenhausbetten bereitstehen, in New York sind es gerade mal 2,8 Betten (New Yorks Kampf gegen Corona, ZDF-Spezial vom 04.04.2020). Trifft auf derartig schlechte Bedingungen eine grippeähnliche Viruserkrankung mit hoher Ansteckungsrate, lägen die bislang festgestellten Todesraten durchaus noch im Rahmen. Auch die dramatischen Bilder aus den italienischen Krankenhäusern seien leicht erklärbar, so die Skeptiker. Zunächst müsse man festhalten, dass das Gesundheitssystem in Norditalien schon vor Corona „in einem erbarmungswürdigen Zustand war“ (Prof. Hockertz). Komme jetzt die allgemeine Panik einer angeblich schweren Seuche hinzu, spiele sich das Geschehen wie folgt ab: Vor Corona bekam die 85-jährige Großmutter, natürlicherweise dehydriert und schwach, im Winter ihren typischen, saisonalen Atemwegsinfekt. Der Hausarzt wurde gerufen, die alte Dame kam an den Tropf und bekam Antibiotika. Entweder sie konnte genesen oder sie starb, und zwar zu Hause oder im Altenheim. Auf diese Weise sterben alte Menschen – jeden Winter. Niemand wäre vor Corona auf die Idee gekommen, die Grippetoten der alten Bevölkerungsteile seien unnatürlich. Heute wird jedoch jeder alte Mensch, der auch nur hustet, in ein Krankenhaus eingeliefert. Dort kumulieren Patienten, die normalerweise zu Hause behandelt worden wären. Erschwerend komme hinzu: Aufgrund der allgemeinen Panik kämen reihenweise verunsicherte Patienten in die Krankenhäuser, um sich behandeln und testen zu lassen. Viele davon litten sogar unter einer echten Immunsuppression, denn große Angst wirkt sich sehr negativ auf den allgemeinen Gesundheitszustand aus. Bezüglich der alten Patienten sei zu bedenken, dass sich die Sterberate in den Krankenhäusern um ein Vielfaches erhöhe. Die iatrogen verursachten Todesfälle durch Behandlungsfehler, in der Fehlannahme, es ginge um ein „Killervirus“, bereiten den Experten Sorge. Es mehren sich die Anzeichen eines „zu viel des Guten“, speziell bei alten, vorgeschädigten Patienten, sowohl bei der Medikation als auch in der Beatmungstechnik. Der Verband Pneumologischer Kliniken mahnt:

„[…] Es gibt keine Hinweise darauf, dass eine Viruspneumonie durch CoV-2 unter invasiver Beatmung einen besseren Verlauf nimmt. Vielmehr ist damit zu rechnen, dass in der aktuellen Phase und insbesondere unter Berücksichtigung etablierter Regeln der Notfall- und Intensivmedizin zu viele Patienten zu früh intubiert werden. […] Bei hypoxämischer Insuffizienz wird in der Regel auf der IS zu früh beatmet und zu viel Sauerstoff gegeben. Das beschleunigt die Entwicklung eines ARDS (Lungenversagen), denn hohe Beatmungsdrücke schädigen die Alveolen und induzieren eine Entzündung, die dann bei der Infektabwehr fehlt. […] Nach bisherigen Erfahrungen braucht ein großer Teil der Patienten mit SARS-CoV-2-Pneumonien auch nur vorübergehend eine Atemunterstützung.“ (Achgut.com, „Sterben Coronapatienten auch an falscher Beatmungstechnik?“)

Zu beachten wäre außerdem das hohe Risiko einer Krankenhauskeim-Infektion, das durch die vielen Intubationen um ein Vielfaches steige. Viele Fachärzte kritisieren auch die Medikation. Unter dem Eindruck, man müsse ein Killervirus besiegen, würden alle potenten Mittel auf einmal verordnet, die die Schulmedizin jemals hervorgebracht hat. Aids-Medikamente, Virostatika, Antibiotika und Kortison würden in überhöhten Dosierungen kombiniert, spätestens dies würde zum Zusammenbruch der körpereigenen Abwehr führen. (Siehe: Dr. med. Gunter Frank, Dr. med. Jobst Landgrebe und Dr. med. Jesko Matthes in „Indubio – Wie schlimm ist es?“.)

Grundsätzlich ließen sich die vergleichsweise immer noch moderaten Fallzahlen aus China, Spanien, Italien und den USA nicht pauschal auf alle Gebiete der Welt übertragen. Zum Vergleich: Die Grippesaison 2017/18 forderte allein in Deutschland über 25.000 Menschenleben. Derzeit liege man immer noch meilenweit unter der Grippeepidemie von 2018. Die spannende Frage lautet: Wird Corona, wie behauptet, die Todeszahlen der Grippewelle von 2018 um ein Vielfaches, möglicherweise um mehrere Hunderttausend Tote, übersteigen? Und wird Corona damit zum unweigerlichen Zusammenbruch des Gesundheitssystems führen, insbesondere, wenn die Betroffenenzahlen zu schnell ansteigen? Vor über zwei Wochen hieß es, Deutschland hänge neun Tage hinter der Entwicklung in Italien her, spätestens nach dieser Frist würden sich auch hier dramatische Szenen in den Krankenhäusern abspielen. Obgleich dieser Termin schon lange verstrichen ist, kann von einem Kollaps des deutschen Gesundheitssystems glücklicherweise keine Rede sein. Angesichts dieser Fragen ist es wenig verwunderlich, dass alle Menschen gebannt auf die täglichen Fallzahlen starren. Steigen sie? Stagnieren sie? Wirken die rigorosen Maßnahmen der Bundesregierung?

RKI ändert die Zählweise

Vor diesem Hintergrund ist es irritierend, dass am 25. März das Robert-Koch-Institut von einem Tag auf den anderen die Zählweise der Corona-Fallzahlen geändert hat. Dies ist in etwa so, als würde man in einem laufenden Spiel plötzlich die Spielregeln ändern, auf deren Grundlage alle bisherigen Entscheidungen der Bundesregierung beruhten. Zuvor galt als Corona-Fall, wer einen positiven PCR-Test hatte, egal ob der Betroffene Krankheitssymptome zeigte oder nicht. Ab sofort kann jeder als „Corona-Fall“ gelten, der eine entsprechende klinische Symptomatik zeigt – auch ohne Test. Das RKI gibt derzeit entsprechende Melderichtlinien für Ärzte heraus. Als bestätigter COVID-19-Fall gilt zukünftig, wer „ein spezifisches klinisches Bild von COVID-19 ohne labordiagnostischen Nachweis zeigt“. Ein „spezifisches klinisches Bild“ von COVID-19 existiert jedoch nicht. Beziehungsweise, es ist identisch mit jeder Art grippalem Infekt. Allein das Auftreten von zwei oder mehr Lungenentzündungen in einem Pflege- oder Altenheim gilt dem RKI neuerdings als Beleg, es handele sich um Corona – PCR-Tests müssen nicht mehr gemacht werden (RKI: „Neue Falldefinition seit dem 24. März“). Sofern nun jeder alte Mensch mit beliebigem Atemwegsinfekt per Definition zum Corona-Fall erklärt werden kann, müssen die Fallzahlen natürlich steigen. Schließlich sind Lungenentzündungen in Pflege- oder Altenheimen, egal welcher Genese, an der Tagesordnung. Weiterhin verstehen viele Ärzte nicht, warum die täglich gemeldeten Fallzahlen nicht endlich in Relation zur absoluten Zahl der Tests gesetzt werden, denn:

„Wenn in einer Woche (oder in einem Land) 10.000 Tests durchgeführt und dabei 1.000 Infektionen festgestellt werden, in der nächsten Woche (oder in einem anderen Land) aber 20.000 Tests und 2.000 Infektionen, dann ist daraus keine höhere Ausbreitung des Virus abzuleiten, sondern nur eine größere Zahl der Messungen. […] Was man bislang nicht wusste: Die Anzahl der durchgeführten Tests in Deutschland betrug in KW 11 knapp 130.000, in KW 12 aber fast 350.000. Nicht nur die Zahl der positiv getesteten Fälle hat sich also ungefähr verdreifacht, sondern auch die Menge der Tests. Die tatsächliche Steigerung der Fälle, bezogen auf die Anzahl der Tests, beträgt lediglich einen (!) Prozentpunkt: In Kalenderwoche 11 wurden knapp 6 % der Untersuchten positiv getestet, in KW 12 hingegen 7 %.“ (multipolar, „Coronavirus: Irreführung bei den Fallzahlen nun belegt“)

Doch nicht nur Virologen, sondern auch Mathematiker und Statistiker bemängeln den unwissenschaftlichen Umgang mit den Rohdaten:

„Die Kernfrage ist: Welches Problem beschreibt die Kurve? Es gibt viele Viren und Bakterien, bei denen die Durchseuchungsrate der Bevölkerung hundert Prozent beträgt. Die Infektionsrate ist also gar nicht die zentrale Frage. Zu fragen ist, ob es eigentlich schlimm ist, wenn viele Menschen mit Corona infiziert sind. Eine hohe Anzahl von Infizierten ist genau dann schlimm, wenn damit eine hohe Anzahl an Arztbesuchen oder an durch Corona Gestorbenen einhergeht. Wenn viele Tote auch noch das Coronavirus in sich tragen, so ist dies noch kein Problem. Wenn immer mehr Menschen Corona-infiziert sind, so ist dies auch noch kein Problem – solange sie nicht zum Arzt gehen müssen und somit medizinische Infrastruktur in Anspruch nehmen. Noch wird öffentlich nicht die alles entscheidende Frage gestellt, wie hoch die Rate der Infizierten ist, die ernsthafte ärztliche Hilfe benötigen. Und wie hoch ist die Mortalitätsrate, also die Rate der Corona-Infizierten, die durch Corona sterben?“ (FAZ, „Auch eine Krise der mathematischen Bildung“, Wolfgang Meyerhöfer)

Warum das RKI bezüglich der Fallzahlen derart unwissenschaftlich vorgeht, erschließt sich vielen Allgemeinmedizinern nicht mehr. Zudem stellt sich die Frage, warum die wichtige Neudefinition der Zählweise nicht öffentlich bekannt gemacht wird. Immerhin basieren allein auf den Fallzahlen alle zukünftigen, möglicherweise sehr drastischen Entscheidungen der Bunderegierung. Inzwischen fordern immer mehr Experten deshalb eine Baseline-Studie, um endlich ein Lagebild zu erhalten, welche Sterbequote bei Corona tatsächlich vorliegt. Bei dieser Studie würde eine feste, repräsentative Gruppe immer wieder getestet, um die Mortalität des Virus wissenschaftlich zu verifizieren. Nur so könnten sich die radikalen und wirtschaftlich verheerenden Entscheidungen der Bunderegierung auf verlässliche Daten stützen. Prof. Bhakdi appelliert geradezu flehentlich, derartige Studien zu machen, denn in weniger als zwei Wochen hätte man die dringend benötigten Daten. Andere Länder wiederum haben ähnlich geschlossene Studien bereits gemacht; beispielweise ergab die Studie der geschlossenen Gruppe auf dem Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ die Sterblichkeit einer normalen Grippe:

„Die Londoner Forscher nahmen diese gesammelten Daten und errechneten unter Berücksichtigung der vorhandenen Fallzahlen aus China, wie es aussähe, wenn auch hier alle Fälle gemeldet worden wären. Ergebnis: Die Todesrate liegt demnach, an Alter und die fehlenden Fälle angepasst, bei insgesamt etwa 0,5 Prozent. Das läge erheblich unter der von der Weltgesundheitsorganisation WHO veröffentlichten Sterblichkeitsrate von 3,4 Prozent.“
(Bild: „Studie zeigt, wie ansteckend Corona wirklich ist“)

Die weltweit angesehenste medizinische Fachzeitschrift „The New England Journal of Medicine“ kommt sogar zu einer noch niedrigeren Mortalität:

„Dies deutet darauf hin, dass die klinischen Gesamtfolgen von Covid-19 letztendlich eher denen einer schweren saisonalen Grippe (mit einer Todesrate von etwa 0,1%) oder einer pandemischen Grippe (ähnlich wie in den Jahren 1957 und 1968) ähneln als einer Krankheit wie SARS oder MERS, bei der die Sterblichkeitsrate bei 9 bis 10% bzw. 36% lag.“ (Artikel: „Covid-19 — Navigating the Uncharted“)

Solange keine Obduktionen und keine Baseline-Studien durchgeführt werden, Verfahren, die auch der Direktor des Instituts für Virologie der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn Prof. Hendrik Streeck fordert, werden sich die Vorwürfe gegen das Robert-Koch-Institut und die WHO nur schwer entkräften lassen. Schließlich drängen sich Parallelen zur Manipulation um die Schweinegrippe auf, die der Sender ARTE in der sehenswerten Dokumentation „Profiteure der Angst “ 2009 aufgedeckt hat (noch ist der Film in diversen Kopien auf YouTube zu finden). Dabei haben viele Menschen noch gar nicht mitbekommen, dass die einstmals ehrwürdige Institution der WHO heute zum größten Teil aus der Privatwirtschaft und nicht mehr von den Mitgliedsländern finanziert wird. Es sind Lobbyisten der Pharmafirmen (auch Impfstoffhersteller) und Menschen wie Bill Gates, die in der WHO das Sagen haben. Seriöse Dokumentationen und Artikel zum Thema gibt es zuhauf. Vielen Kritikern erschließt sich daher nicht, warum die Bunderegierung allein auf wenige dem RKI und der WHO verbundene Virologen hört. Insbesondere wenn diese, wie Christian Drosten, als Entwickler des Corona-PCR-Tests nicht gerade als unparteiisch gelten können.

An dieser Stelle möchte ich meine Rolle als Advocatus Diaboli beenden und die Argumentation der Skeptiker stehen lassen. Obgleich ich mich seit Wochen intensiv mit der Materie beschäftige und zudem eine medizinische und psychologische Vorbildung habe, muss ich meine Ratlosigkeit zugeben. Ich weiß nicht, ob ich die Maßnahmen der Bundesregierung für überzogen halten soll oder nicht. Eines scheint mir jedoch klar: Sofern es nicht sehr bald Lockerungen gibt, könnten die wirtschaftlichen und psychologischen Kollateralschäden weitaus größer sein als die der Krankheit selbst. Mehr dazu in "Corona: Die Angst geht um".